Historie des Saals

Die Geschichte der Koblenzer Straße 3 in Bacharach

Das Engelmann`sche Stift

Georg Engelmann

Bei dem Familiennamen Engelmann kommt Kundigen in Bacharach das Engelmann`sche Stift in der Koblenzerstraße in den Sinn. Vorangegangen ist, dass 1761 ein Erasmus Engelmann Pfarrer in Bacharach wird. Er ist später der letzte pfälzische Inspektor der Geistlichkeit, heute würde man Superintendent sagen, der dem kirchlichen Bereich im Bacharacher Gebiet vorstand. 1800 wird er in der französischen Zeit, als das linke Rheinufer zu Frankreich gehörte, auch Präsident des Kirchenrates in Simmern und bearbeitet in dieser Eigenschaft die Union zwischen Reformierten und Lutheraner. Die Wurzeln dieser Engelmanns liegen auf dem Hunsrück in den Orten Riesweiler und Holzbach. Erasmus Theodor Engelmann ist der Stammvater der vielen Engelmann-Verzweigungen in Deutschland und der Welt. Verheiratet war er mit Anna Margarethe Hartmann, der Tochter von Johann Martin Hartmann, der Stärkefabrikant und Kirchenältester in Bacharach war. Die Hartmanns sind mit der Familie Utsch verwandt, aus der der vermeint liche „Jäger aus Kurpfalz“ stammt. Erasmus Theodor Engelmann starb 1802 und wurde am Fuße der Altartreppe in der Peterskirche beigesetzt. Das damalige Pfarrhaus befand sich in dem noch heute sichtbaren Fach werkhaus der Koblenzerstraße 3. Ein munteres Leben wird dort geherrscht haben, denn 13 Kinder zählte die damalige Pfarrfamilie. Vater Erasmus war ein sehr gelehrter Mann, er besaß eine große Bibliothek und bereitete seine Söhne selbst zur Universität vor. Aus der Nachkommenschaft ist manche bedeutende Persönlichkeit hervorgegangen. Von den neun Jungen und vier Mädchen sind vier Engelmannäste und der Ast zur Familie Hilgard die Hauptzweige, die in ihrer Bedeutung einen besonderen Rang einnehmen. Der Hilgardast entstand 1782, als die älteste Tochter Marie Dorothea *1760 den Pfarrer Johann Jakob Hilgard heiratete, dessen Großvater Johann Hein rich von 1701-1718 einmal Pfarrer in Steeg war. Von Johann Samuel Hilgard wissen wir, dass er eine Aufzeichnung über die Geschichte Bacharachs schuf, die heute noch im Generallandesarchiv in Karlsruhe erhalten ist. Von den vier männlichen Hauptästen soll nur der des 6. Sohnes Julius Bernhard *1773 in diesem Beitrag angesprochen werden. Julius Bernhard Engelmann ist der Stammvater des Frankfurter Astes, zu dem Georg Engelmann *1807 als ältester Bruder der neun köpfigen Geschwisterschar zu zählen ist. Der Vater studierte Theologie und Philosophie, nahm eine Stelle als Hauslehrer in einem Frankfurter Bankierhaus an, bevor er 1807 in die Schweiz ging um beim großen Erzieher Pestalozzi zu studieren. Zurück nach Deutschland gründete er 1808 in Frankfurt eine eigene Mädchenerziehungsanstalt, ebenso 1832 in Bad Kreuznach. Georg Engelmann selbst begann 1827 sein Medizinstudium in Heidelberg.
Schon in der Schulzeit gilt sein größtes Interesse der Botanik, so dass es auffällt, dass seine Doktorarbeit (1831) keineswegs ein medizinisches, sondern ein philosophisch-botanisches Thema behandelt. Die Dissertation schickt Marianne von Willemer an Goethe, der in seinem letzten Brief an Marianne das Werk lobt und sich mit dem Gedanken trägt seine unveröffentlichten botanischen Arbeiten Engelmann zu überlassen. Georg Engelmann reist 1832 nach Paris und besucht Cholerahopitäler. Daneben aber verfolgt er im Verein mit Freunden andere wissenschaftliche Zwecke. Im Herbst reist er nach Nordamerika um im Auftrag der Verwandten Im Tale des Mississippi Ländereien anzukaufen. Seinen Vater warnt er allerdings Auszuwandern. Er selbst durchquert dort mehrere Staaten und legt botanische Sammlungen an, die er größtenteils nach Deutschland schickt. Im Jahre 1835 läßt er sich in dem damals nur 3000 Einwohner zählenden St. Louis Nieder und kommt zu Wohlstand und Ansehen. Seine Freizeit widmet er nach wie Vor der Botanik und betreibt weitere Forschungsreisen. 1852 ist er Mitglied der Grenzlommission zwischen Mexiko und den USA, zeichnet sich auch als „besterKenner der nordamerikanischen Flora“, gilt als Autorität für Wein und Kakteen. Und fand die Reblausbeständigkeit der amerikanischen Reben heraus, dessen Ergebnis er seinen Freunden nach Europa meldet und somit den Anstoß zur Pfropfrebe gab. In 33 wissenschaftlichen Gesellschaften der USA und Europa ist er Mitglied, darunter Mitbegründer der National Academy of Sciences in Washington, erster Präsident der St. Louis Academy of Sciences (16 mal ihr Präsident), Mit glied des Deutschen Schulvereins in Illinois, der Senkenbergischen Gesellschaft in Frankfurt am Main, hinterließ 60 Bände botanischer Notizen und Zeichnungen, seine Sammlung von mehr als 100.000 Pflanzen ging an Shaw`s Botanical Garden in St. Louis, den Shaw auf Engelmanns Anregung auch als botanischen Garten gestiftet hatte; nach ihm wurden drei Genera und viele Species von Pflanzen, darunter „Engelmann`s spruce“ (ein Nadelbaum der Rocky Mountains), ferner ein hoher Gipfel der Rocky Mountains und ein Conyon benannt. Georg Engelmann war wohl der intensivste Botaniker der in Amerika tätig war. Mochte ein Problem noch so schwierig und Pflanzengruppen noch so unbedeutend sein, er löste und erhellte die gestellten Fragen. Drei Deutschlandreisen unternahm er und auf der ersten 1840 heiratete er Dora Hartmann, seine Kusine, die ebenfalls dem Bacharacher Pfarrhaus entstammt. Sie war ihrem Gatten eine unermüdliche Mitarbeiterin bei seinen Expeditionen und Forschungsarbeiten. Zwei Söhne hatten sie, wovon der erste als Kind stirbt. Georg Engelmann jr. Wurde Gynäkologe und war auf seinem Gebiet in Amerika und auch in Europa eine geschätzte Persönlichkeit. Mit der Gesundheit des Vaters Stand es in seinen letzten Jahren nicht zum Besten. Ein Herzleiden versucht er in Europa zu heilen, doch bald nach seiner Rückkehr nach Amerika stirbt er 1879 im Alter von 75 Jahren.